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19.03.2012
Knigge, Kompass und Korangebete
 
Habiburrahman Dastageeri aus Stuttgart hat eine App für Smartphones entwickelt, die Pilger religiös und geographisch unterstützt
 
Stuttgart und Mekka trennen 4.000 Kilometer Luftlinie, eine dreitägige Autoreise oder mit Umsteigen ein siebenstündiger Flug. Auch für viele andere Muslime aus der ganzen Welt ist der Weg in ihre heiligste Stadt weit, gleichwohl pilgern jährlich etwa 6 Millionen Gläubige in den Wallfahrtsort nach Saudi-Arabien. Um ihnen die Reise so einfach wie möglich zu machen, hat Habiburrahman Dastageeri aus Stuttgart die so genannte Amir-App entwickelt, die den Weg nach Mekka weist.

Amir steht im Arabischen für Führer oder Leiter – das ist nicht nur örtlich zu verstehen: „Es sollte ein Navigationsgerät werden, das sowohl religiöse als auch geographische Hilfestellung leistet“, erzählt der gebürtige Mainzer, der seit seiner Kindheit in Stuttgart lebt. Dass dafür Bedarf besteht, entdeckte der heute 32-jährige im Jahr 2006, als er mit seiner aus Afghanistan stammenden Familie zur Pilgerfahrt nach Mekka – der so genannten Umrah – aufbrach. Mit Büchern und Gesprächen glaubte er, sich gut auf diese Reise vorbereitet zu haben, wurde aber vor Ort schnell eines Besseren belehrt: Bei Temperaturen um 50 Grad im Schatten und emotionalem Stress in der fremden Umgebung entfällt etlichen Reisenden vorab Gelesenes: „Die Rituale bei der Pilgerfahrt müssen auf Anhieb sitzen – es gibt schlichtweg keine Gelegenheit zu üben“, erinnert sich Dastageeri. „Da ist mir bewusst geworden, wie wenig man weiß, und wie viel man wissen sollte, damit nichts schief geht.“

Aus einer geplanten Entwicklungszeit von drei Monaten wurden zweieinhalb Jahre

Dies beschäftigte Dastageeri so sehr, dass aus der Idee während seines Informatik-Studiums an der Hochschule für Technik in Stuttgart das Thema seiner Master-Thesis wurde. Wie lange ihn diese tatsächlich vereinnahmen sollte, ahnte er damals noch nicht: „Anfangs rechnete ich mit einer Entwicklungszeit von drei bis sechs Monaten – hauptsächlich aufgrund der technischen Umsetzung“, erinnert sich der Software-Manager. Tatsächlich vergingen bis zur Fertigstellung zweieinhalb Jahre. Der Grund: die aufwändige Recherche. „Wir mussten selbst Experten werden, trotzdem sollte das Programm in der Handhabung einfacher sein als ein Buch“, erklärt der Entwickler.

Der App-Benutzer muss seine relevanten Daten, wie etwa Geschlecht, Alter und Ablauf der Pilgerreise eingeben. Auf dieser Grundlage lotst ihn das Programm Schritt für Schritt durch die Vorbereitungen zuhause und vor Ort in Mekka. Dastageeris Tipps sind deshalb so wertvoll, weil sie in keinem handelsüblichen Reiseführer so komprimiert auftauchen: Hinweise für die passende Kleidung, ein Kompass, Grundrisse von Pilgerstätten, Sehenswürdigkeiten oder Treffpunkten sowie Audiodateien der wichtigsten Gebete – diese Inhalte sind das Herzstück der App. Da im exakt vorgeschriebenen Ablauf der Reise viele Stolperfallen lauern, hilft das Programm, sie zu umgehen. Passiert etwas Unvorhergesehenes, sind die wichtigsten Telefonnummern von Polizei, Feuerwehr und Notarzt eingespeichert.

Die App steht derzeit auf Deutsch, Englisch und Türkisch zur Verfügung

Aus dem Studenten wurde nach dem Examen rasch ein Unternehmer, der die Amir-App über die Dastageeri GmbH vertreibt. Während der gesamten Entwicklungszeit wurde er von einem Experten-Team der Hochschule unterstützt: Dazu zählten sein betreuender Dozent Professor Volker Coors, zwei Programmierer, eine Designerin, ein Anwalt und ein Unternehmensberater vom Gründernetzwerk bw-con. Inzwischen kann das Programm im AppStore heruntergeladen werden, wo es in den Sprachen Deutsch, Englisch und Türkisch zur Verfügung steht. Doch das ist erst der Anfang: Derzeit tüftelt Dastageeri in seinem Büro in Stuttgart an den Übersetzungen ins Arabische und Malaiische, an einer Markteinführungsstrategie für andere Länder und an der Portierung für das Betriebssystem Android.

Jüngst konnte Dastageeri den baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid für seine außergewöhnliche Geschäftsidee begeistern, als er ihn auf einer Delegationsreise nach Saudi-Arabien begleitete. Was der junge Programmierer als nächstes entwickelt, verrät er nicht. Fest steht für ihn aber: „Die Ideen gehen mir nicht aus, allein die technische Umsetzung braucht noch ein bisschen Zeit.“

 
Weiterführende Links
 
>> www.dastageeri.de
 

 

 
 
 
 
Existenzgründung, Kultur, Medien & IT, Wirtschaft
 
Autor: > Mönch
 
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