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12.12.2016

Perspektiven gewonnen

Die 1. Aktionswoche "Perspektiven gewinnen!" der Fachkräfteallianz Region Stuttgart zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt ist erfolgreich zu Ende gegangen

1. Aktionswoche "Perspektiven gewinnen!" der Fachkräfteallianz Region Stuttgart zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt (Foto: Fachkräfteallianz Region Stuttgart / Uwe Janßen)

1. Aktionswoche "Perspektiven gewinnen!" der Fachkräfteallianz Region Stuttgart zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt (Foto: Fachkräfteallianz Region Stuttgart / Uwe Janßen)
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Die Fachkräfteallianz Region Stuttgart hat vom 28. November bis 2. Dezember 2016 gemeinsam mit ihren Projektpartnern die erste Aktionswoche "Perspektiven gewinnen!" veranstaltet, um Arbeitgeber und Menschen mit Behinderungen zusammenzubringen. Ziel war es, Menschen mit Behinderungen, die einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz suchen, in Kontakt mit Unternehmen der Region zu bringen, um dort einen Tag oder einige Stunden mitzuarbeiten. 35 Arbeitgeber aus verschiedenen Branchen und rund 60 Personen haben teilgenommen. Die Aktion fand im Rahmen der Themenwoche für Menschen mit Behinderungen der Bundesagentur für Arbeit statt.

Unter dem Motto "Was haben die denn? - Interesse!" stand im Vordergrund der Aktion, positive Erfahrungen für beide Seiten zu schaffen, Berührungsängste abzubauen und dadurch langfristig die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen zu fördern. So trafen Firmen unterschiedlicher Branchen und Größe auf Praktikantinnen und Praktikanten, die sich in unterschiedlichen Lebensumständen befinden: manche am Übergang von Schule zu Beruf, manche, die in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten, und andere, die derzeit auf Stellensuche sind. Alle Beteiligten, sowohl auf Unternehmensseite wie auch auf Seite der Menschen mit Behinderungen, haben ein großes Maß an Engagement, Neugier und Interesse mit eingebracht.

Zur Einstimmung auf die Aktionswoche konnten Vertreterinnen und Vertreter aus den beteiligten Unternehmen praktische Einblicke in das Leben von Menschen mit Behinderungen gewinnen. Diese Auftaktveranstaltung fand am Donnerstag, dem 24. November, noch vor der Aktionswoche im Haus der katholischen Kirche in Stuttgart statt. Der Projektpartner Zentrum selbstbestimmt Leben Stuttgart e.V. hatte dazu verschiedene Stationen mit Selbsterfahrungsangeboten aufgebaut und betreut. Hier konnte man, eingeführt und angeleitet durch Menschen mit verschiedenen Behinderungen, selbst erleben, welche Barrieren im Alltag zu überwinden sind, sei es bei Hör- oder Sehbehinderungen, bei der Einschränkung der Feinmotorik der Hände oder beim Sitzen und Fahren im Rollstuhl. Ein spezialisierter Dienstleister stellte hier auch seine technischen Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen vor, wie zum Beispiel Farberkennungssysteme, akustische Orientierungssysteme oder Computerarbeitsplätze mit speziellen Technologien, die eine produktive Arbeit erleichtern.

Am Freitag, dem 2. Dezember, wurde die Woche mit einer Fokusrunde im Haus des Versicherungsunternehmens Allianz Deutschland AG in Stuttgart beendet. Hier konnten Fragen zum erfolgreichen Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt gestellt und beantwortet werden. Angestellte der Allianz mit Behinderungen konnten wertvolle Praxistipps geben und von ihren Erfahrungen berichten.

Stephanie Aeffner, die Beauftragte der Landesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, erklärte in ihrem Grußwort zur Auftaktveranstaltung: "Die Fachkräfteallianz Region Stuttgart greift mit dem Projekt 'Perspektiven gewinnen!' auf, was der größte Hemmschuh für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist: nicht etwa fehlende Qualifikation, sondern Ängste und Befürchtungen aufgrund fehlenden Kontaktes miteinander. Durch die Aktionswoche erhalten Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, in Betriebe hineinzuschnuppern. Und die Teams der beteiligten Unternehmen gewinnen umgekehrt Einblicke in deren Perspektiven. Das macht die Aktionswoche zu einem Gewinn für beide Seiten. Denn die Arbeitswelt kann nicht auf die Beiträge und Fähigkeiten der Menschen mit Behinderungen verzichten."

Petra Cravaack, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit und Sprecherin der Fachkräfteallianz Stuttgart, resümiert: "Die "Aktion Perspektiven!" gewinnen war aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Viele der beteiligten Arbeitgeber sind für das Thema, Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen, sehr aufgeschlossen, und es freut mich besonders, dass so viele engagierte Firmen an unserer Aktion teilgenommen haben. Wie wir aus den Gesprächen mit den Arbeitgebern erfahren haben, ist es überall gelungen, Vorbehalte und Berührungsängste abzubauen. Für die Menschen, die für die Praktika in den Unternehmen zu Gast waren, haben sich zum Teil bereits greifbare neue Perspektiven ergeben. Diese Aktion wird ganz bestimmt nicht einmalig bleiben."

Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH und ebenfalls Sprecher der Fachkräfteallianz Region Stuttgart, zieht die erfreuliche Bilanz: "Die positive Resonanz auf unsere Aktionswoche zeigt, dass bei den Unternehmen der Region vielfach Interesse vorhanden ist, Menschen mit Behinderungen in ihre Belegschaften einzuschließen. Häufig fehlt aber die Gelegenheit zum ersten Kontakt und zur offenen Kommunikation, beides hat unsere Aktion ermöglicht. Oft beziehen Menschen mit Behinderungen bei gleicher oder sogar besserer Qualifikation ein niedrigeres Gehalt, das muss sich in der Zukunft ändern."

Statements beteiligter Unternehmen:

Markus Eberlein, ACE-Wirtschaftsdienst GmbH, Stuttgart:
"Der ACE Auto Club Europa ist mit mehr als 600.000 Mitgliedern der zweitgrößte Automobilclub in Deutschland. Unsere Kernleistung ist die Pannenhilfe. Am Firmensitz hier in Stuttgart beschäftigen wir 270 Mitarbeiter und in unserem ACE Euro-Notruf sind 70 Call-Center-Agents im Einsatz. Wir suchen immer wieder besonders IT-Fachleute ebenso wie Auszubildende. Bei uns im Unternehmen wird Vielfalt und Chancengleichheit gelebt. Wir haben uns gerne an der Aktion beteiligt, weil wir keine Berührungsängste haben und unsere Offenheit für die Anliegen der Menschen mit Behinderung demonstrieren wollen. Die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit ist durchweg positiv. In unserem Unternehmen sind viele Schwerbehinderte regulär beschäftigt. Die Fluktuation übrigens liegt bei null. Während der Aktionswoche hatten wir zwei Hospitantinnen, davon eine mit einer starken sehtechnischen Einschränkung, bei uns in der Zentrale zu Gast. Sie konnten ganz allgemein den Betrieb und die Arbeitsabläufe kennenlernen, auch unsere Notrufzentrale. Das wurde als sehr positiv erlebt und sehr gut angenommen. Eine Hospitantin ist sehr an einer Tätigkeit interessiert und hat bereits ihre Bewerbungsunterlagen eingereicht."

Vera Becker, Robert Bosch GmbH, Feuerbach:
"An unserem Standort Stuttgart-Feuerbach arbeiten rund 12.000 Mitarbeiter aus 72 verschiedenen Nationen in unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern. Natürlich haben wir auch eine Inklusionsbeauftragte und als großes, sozial engagiertes Unternehmen die entsprechenden Ressourcen. Doch Verständnis zu schaffen, Vertrauen aufzubauen und eine gute Zusammenarbeit zu gewährleisten, das ist Aufgabe für alle unsere Mitarbeiter, und gerne nehmen wir auch externe Anregungen und Unterstützungen wie jetzt durch die Aktion der Fachkräfteallianz auf. Wir hatten in der Inklusionswoche eine Person mit Behinderung zu Gast, der im Bereich Dieseleinspritzpumpen hospitierte. Generell sprechen wir übrigens von leistungsgewandelten Mitarbeitern, um deutlich zu machen, dass sie ihre Leistungen eben auf andere Weise erbringen, nicht unbedingt im Schichtbetrieb. Dafür bieten wir auch die entsprechend gestalteten Arbeitsplätze. Für mich persönlich war es aufschlussreich, bei der Auftaktveranstaltung einmal die Perspektive eines Rollstuhlfahrers einzunehmen und zu lernen, wie anspruchsvoll die Bewegung eines Rollstuhls tatsächlich ist."

Michael Weiß, d-mind GmbH, Stuttgart:
"Als Internet- und Werbeagentur sind wir mit unserem Team immer nah dran an den neuesten technologischen Trends und Marketingansätzen. Als Spezialisten für neue Medien bieten wir aber genauso klassische Werbung an. Während der Aktionswoche hat ein Grafiker bei uns hereingeschnuppert. Der Praktikant, der im Rahmen von "Perspektiven gewinnen!" zu uns gekommen ist, unterscheidet sich von anderen Praktikanten nur dadurch, dass er besser qualifiziert ist. Es passt gut." Deshalb verlängerte die Internetagentur den Besuch auch direkt - aus der ursprünglich geplanten eintägigen Visite wurde ein zweiwöchiges Praktikum. Die Teilnahme an der Aktionswoche war also auch hier eine durchweg positive Erfahrung.

Irene Busch, JW FROEHLICH Maschinenfabrik GmbH, Plochingen:
"Wir sind ein global agierender, mittelständischer Hersteller von Prüfsystemen für die Automobilindustrie mit 320 Mitarbeitern in Deutschland, England, USA und China. Generell sind wir für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen sehr aufgeschlossen, nicht nur, um uns Fachkräfte zu sichern, sondern auch den Gedanken der Integration zu leben. Deshalb haben wir uns sofort bereiterklärt, bei der Aktion 'Perspektiven gewinnen!' mitzumachen. Zwei Praktikanten waren bei uns im kaufmännischen Bereich zu Gast und wurden durch unseren Personalleiter begrüßt, beide ausgebildete Menschen mit Berufserfahrung. Wir binden auch unsere Azubis mit ein, um Berührungsängste abzubauen. Bei der Auftaktveranstaltung war es enorm lehrreich, in die Rolle eines Menschen mit Behinderung zu schlüpfen und seine ganz individuelle Perspektive kennenzulernen."

Cornelia Kamp, Garten- und Landschaftsbau Palmer GmbH & Co. KG, Zuffenhausen:
"Seit über 50 Jahren bauen, begrünen und pflegen wir als inhabergeführtes Familienunternehmen Grünflächen für Bauträger, Generalunternehmer, Gewerbe, Industrie, Kommunen, Wohnbaugesellschaften und für private Kunden. Insgesamt haben wir 50 Mitarbeiter, davon 15 in unserer eigenen Schlosserei. Als wir auf die Aktion angesprochen wurden, haben wir uns sofort bereiterklärt, mitzumachen. Im Garten- und Landschaftsbau und in der Schlosserei sind die Einsatzmöglichkeiten für körperbehinderte Menschen natürlich etwas eingeschränkt. Aber wir beschäftigen zwei Personen mit Behinderung und bilden zwei weitere aus, die eine Lernbehinderung aufweisen. Unsere Erfahrungen sind sehr gut, und wir arbeiten gerne und eng mit der Agentur für Arbeit Stuttgart zusammen. Ich denke, wir müssen alle zusammenhalten, und wir sehen unser Mitmachen auch als Signal für unsere Kunden. Als Arbeitgeber kommen wir unserer Pflicht gerne nach und haben uns mit unserem Flüchtlingsprojekt ja auch um den Mittelstandspreis für soziale Verantwortung in Baden-Württemberg beworben. Als Mittelständler in unserer Branche ist es nicht immer einfach, die richtigen Mitarbeiter zu bekommen. Es gibt sehr viele Hochqualifizierte, und die mittlere Ebene rutscht oft durchs Raster. Aus unseren Erfahrungen mit Lernbehinderten wissen wir, dass es gut funktioniert, nur dass diese etwas länger zum Lernen brauchen. Unserem Praktikumsgast in der Inklusionswoche haben wir den Betrieb gezeigt, die Schlosserei, den Lagerplatz, und er konnte auch mit auf eine Baustelle fahren und sein handwerkliches Geschick im Umgang mit Metall zeigen. Er war sehr interessiert und angetan, diesen Einblick in unsere Betriebspraxis nehmen zu können. Das halte ich generell für sehr wichtig für Menschen mit Behinderungen: in den realen Betrieb hineinzuschnuppern, sich auszuprobieren und dadurch auch eine Selbstbestätigung zu erhalten. Und eine Ausbildung im Betrieb bringt uns gut qualifizierte und loyale Mitarbeiter. Die Auftaktveranstaltung mit dem 'Rollentausch' fand ich ebenfalls sehr gut und bereichernd - unser Geschäftsführer, der sich extra die Zeit genommen hatte, übrigens auch."

Simeon Manz, SPURENELEMENTE GmbH, Stuttgart:
"Unser Unternehmen ist auf Browser-basierte Software-Lösungen spezialisiert, mit denen wir Prozesse in Unternehmen optimieren, besonders im Bildungs-, Automotive- oder Reisebereich. Auch eine große soziale Einrichtung gehört zu unseren Kunden. Wir bereiten didaktische Materialien interaktiv auf und programmieren auch Simulatoren für Hör- oder Sehprobleme. Wir arbeiten ohnehin auf ehrenamtlicher Basis mit Menschen mit Behinderung zusammen, und für uns als kleines Team sind Vorbehalte gar kein Thema. Eine gute Vorbereitung ist alles. Natürlich sind wir als kleinere Software-Entwicklungsschmiede einem starken Wettbewerb unterworfen, und das Thema IT-Fachkräfte¬sicherung ist ein wichtiger Aspekt. Wir hatten einen extrem sehbehinderten Interessenten bei uns zu Gast, der sehr interessiert war und sich sehr gut eingebracht hat. Er konnte vieles durch Fühlen mit den Händen ausgleichen und benutzte sein Handy unter anderem als Vergrößerungsglas. Er hat beim Aufrüsten von Hardware und Installieren von Betriebssystemen klasse mitgemacht. Der Tag ist für ihn wie für uns also sehr gut gelaufen und wir können uns eine Beschäftigung durchaus vorstellen. Bei der nächsten Aktionswoche sind wir ganz sicher wieder mit dabei."

Über den Veranstalter: Die Fachkräfteallianz Region Stuttgart

Eine wichtige Funktion der Fachkräfteallianz Region Stuttgart ist es, Einrichtungen, Verbände, Institutionen sowie Entscheidungsträger zu vernetzen. In der Allianz sind deshalb die Agenturen für Arbeit der Region (Göppingen mit Esslingen, Ludwigsburg, Stuttgart und Waiblingen), die Industrie-und Handelskammer Region Stuttgart und die Handwerkskammer Region Stuttgart, der DGB Nordwürttemberg und die IG Metall Region Stuttgart sowie die Robert Bosch GmbH, der Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg Südwestmetall und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) vertreten. Den Vorsitz haben Petra Cravaack, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stuttgart, und Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH. Für die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit der Region Stuttgart sind die Fragen nach der Erschließung des in der Region vorhandenen Fachkräftepotenzials wichtig. Laut Strukturbericht 2013 ist zu erwarten, dass im Jahr 2030 rund 110.000 Fachkräfte in der Region fehlen werden, wenn nicht gegengesteuert wird. Zu diesem Zweck identifiziert die Fachkräfteallianz Region Stuttgart Handlungsbedarfe in Bezug zur Fachkräftesicherung und nimmt diese im Rahmen von Veranstaltungen und Projekten in Angriff.

fachkraefteallianz.region-stuttgart.de

 

Kontakt für die Presse:

Nadine Kollmeyer
Koordinierungsstelle Fachkräfteallianz Region Stuttgart
c/o Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS)
nadine.kollmeyer@region-stuttgart.de
Tel. 0711-22835-811